Mittwoch, 7. September 2016

Life is a story … - Ey, Tusnelda – geh da mal weg! (short story)



Life is a story …

 Ey, Tusnelda – geh da mal weg!

Manchmal glaube ich, dass die Sommersonne so manchem Menschen ein wenig zu sehr zusetzt.

Gestern Mittag ging ich – wie eigentlich jeden Tag – mit meinem Hund in einer Anliegerstraße spazieren. Diese Straße ist eine Sackgasse und führt an dem alten Bauernhof vorbei, in dem ich lebe. Dahinter sind nur Kuhwiesen, rechtsseitig führt hinter einer Böschung die Autobahn in Richtung Köln vorbei und am Ende der Straße ist ein Stadtwerke-Häuschen, damit wir auch Strom haben.

Nur ein paar Hundebesitzer aus der Umgebung gehen hier manchmal lang, gelegentlich befährt ein Anwohner diese Straße oder ein Wagen der Stawag. Ich ging den Weg auf der linken Seite entlang, da hier ein schmaler Sandstreifen ist und damit mein Hund gemütlich am Wiesenrand schnuppern kann.

Ich war noch in Gedanken bei einem anstrengenden Telefonat mit einer Freundin als es hinter mir plötzlich mehrfach laut hupte. Den silberfarbenen Kleinwagen, der eine Frau im mittleren Alter mit schulterlangen, grauen Haaren beherbergte, hatte ich nicht herankommen gehört und sprang ein wenig erschrocken zur Seite.

Durch das geöffnete Fenster des Wagen brüllte mich die Frau sogleich an: „Ey, Tusnelda – geh‘ da mal weg! Sowas …“ Kopfschüttelnd gab sie Gas. Ich war viel zu verdutzt als das ich etwas hätte antworten können.

Sie schoss mit ihrem Auto die Anliegerstraße hoch, gerade so, also wenn Sie die Böschung abwärts auf die Autobahn zufliegen wollte. Wo die wohl hin wollte?

Langsam ging ich mit meinem Hund weiter und sprach mit den Kühen auf der Weide, die neugierig zu uns kamen. Von weitem konnte ich beobachten, dass die Kleinwagenbesitzerin endlich das Ende der Straße erreicht hatte und vor den rot-weiß-gestreiften Pollern stand, die eine Weiterfahrt unmöglich machten.

Während mein Hund sein Geschäft verrichtete, sah ich, wie sie wild am Lenkrad kurbelnd versuchte, auf der engen, einspurigen Straße ihren Wagen zu wenden. Die hintere Stoßstange berührte dabei mehr als einmal die Leitplanke. Gott sei Dank stand die da, sie wäre sonst wohl rückwärts die Böschung runtergerutscht.

Die Fahrerin hatte es geschafft und gab Vollgas. Ich zog schnell meinen Hund beiseite, denn sie rauschte mit Tempo heran. Neben mir bremste sie rasant und mit leise quietschenden Reifen ab, kurbelte das Beifahrer-Fenster herunter und schnauzte erneut: „Das hätten Sie mir ja auch sagen können, dass hier ‘ne Sackgasse ist!“ Sprach’s und gab schon wieder Gas. Zu viel Gas, denn beinahe wäre sie ungebremst auf die Vorfahrtstraße eingeflogen, auf der gerade ein Lkw vorbeifuhr. Eine höchst gefährliche Situation!

Sie bog rechts ab und schlug zu sehr ein. Die beiden rechten Räder des Autos fuhren auf dem unbefestigten Bürgersteig. Sie riss das Lenkrad herum, das Auto holperte – und verlor die hintere Stoßstange! Die Fahrerin aber störte das nicht – sie gab einfach Gas.

Ich sah die Kuh an, die durch den Zaun gerade an meinem Hosenbein und an meinem Hund schnupperte. „Und da sagt man immer, ihr Kühe seid doof!“, sagte ich zur ihr und tätschelte ihren Kopf. Sie kannte mich und ließ es zu. „Ich glaube, es gibt unter den Menschen viel mehr doofe Kühe!“, erzählte ich ihr weiter. Und sie antwortete mir mit einem lauten: „Muuuuhhhhh!“ Es hörte sich wie eine Zustimmung an.

© Gudrun Anders 

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