Samstag, 5. August 2017

Life is a story: Quatsch‘ keine Märchen!



oder: Geschichten sind unser Leben – aber nicht immer angebracht …
(c)  Gudrun Anders
 
Wissen Sie, was mein Hund mich gelehrt hat? Jetzt höre ich Sie bestimmt so etwas sagen wie „bei jedem Wetter raus müssen“, „immer auf den Hund Rücksicht nehmen müssen“ oder vielleicht auch „einen treuen Gefährten an der Seite haben“. Ja, alles richtig. Aber was ich wirklich von meinem kleinen, frechen ADHS-Hund gelernt habe, ist, das „NEIN“ ein wirklich prima Wort ist.

Lucky, mein kleiner schwarzer Tibet-Terrier, war schon als Welpe ein echtes Energiebündel, kaum zu stoppen, immer am herumrennen und mit immer neuem Blödsinn im Kopf. Da wurden Teppiche angenagt,  die alte Katze quer durch die Bude gejagt, Schuhe verschleppt und große Benjamini geköpft, weil er seinen Stock draußen lassen musste und es im Haus schließlich auch welche gab. Auch PC-Kabel hatte er zu fassen, Küchenrollen wurden zerfetzt, die Couch hat links an der Seite ein Loch mehr und die Papier- und Abfallkörbe wurden sehr oft einmal mehr gefüllt als nötig. 

Und – sah es nicht toll in meinem Wohnzimmer aus, als er mein Lieblingskissen zerfetzte? (rechts)

Langweilig war es jedenfalls in den ersten Monaten mit ihm nicht. Oft hatte ich das Gefühl, das „Nein“ sein Lieblingswort sein musste – er wollte es einfach zu oft hören.

Täglich gingen wir mit ihm raus, und schon bald hörte er auf seinen Namen oder meinen Pfiff und wir arrangierten uns bei den Spaziergängen wer das Sagen hatte: meistens ich. Meistens – nicht immer. ….

Ihm „sitz“ beizubringen war keine große Sache, irgendwann gab er sogar Pfötchen, wenn er ein Leckerli dafür bekam und auch Stöckchen bringen machte er gern. Wenn er wollte. Wenn er keine Lust hatte, hatte der Hund einfach keine Lust und beschnupperte lieber die wohlriechende Landschaft.

Trotz vielen Übens war aber das „Nein“ unser Lieblingswort. Da wurden im Flur herumstehende Schuhe mal eben angeknabbert, dafür die Spielzeuge nicht angeschaut, Bälle im Bett – am liebsten unter meinem Kopfkissen – versteckt und die Couchkissen als Raufkumpanen verwendet.

Es nützte nichts, ich musste mal zur Hundeschule – und bekam gleich in der Probestunde eine Lektion fürs Leben. Wir sollten „bei Fuß gehen“ – schnell und langsam im Wechsel und dann stoppen. Einer nach dem anderen war dran ich dachte, mein Hund sitzt brav neben mir. Lucky aber sah sich gerade nach einer hübschen Dackeldame um und schaute in die entgegengesetzte Richtung.

„Würdest du bitte mit mir bei Fuß gehen, Lucky?“, sprach ich ihn an und merkte gar nicht, wie ich den Hund vermenschlichte. Auf unseren lockeren Spaziergängen mag das vielleicht gehen, hier aber war gerade Gehorsam angesagt. Und meinerseits Durchsetzungsvermögen. Und das mir, wo ich doch als spirituell orientierter Mensch viele Dinge sanft und mit Liebe regeln wollte.

Lucky machte sich auf in Richtung Dackeldame, während ich in die andere Richtung mit ihm gehen sollte. „Lucky …“, rief ich leicht genervt. „Kommm bitte … Luckyyy …. Komm her ….“

„Quatsch‘ keine Märchen!“, hörte ich den Hundetrainer hinter mir. „Die versteht der Hund ja doch nicht.“ Und gab mir dann Instruktionen, wie ich die Situation anders handhaben konnte.

„Quatsch‘ keine Märchen!“, hallte es noch länger in mir nach. Und das mir als Märchenschreiberin! Wo ich doch der Überzeugung war, das wir Menschen alle mehr Märchen hören, lesen und schreiben sollten, damit wir wieder mehr der inneren Weisheit, die in jedem von uns wohnt, lauschen lernen.

Inzwischen besah ich mir einen Mann Ende 30 und Besitzer eines kleine, ungestümen Mischlingshundes, der nun ebenfalls vorführen sollte, wie er mit der kleinen „bei Fuß geht“. Der Mann war über 1,80 m groß und ziemlich bullig. Er stand vornüber gebeugt zum Hund und säuselte: „Lissy, komm‘ doch jetzt bitte mit, wir müssen bei Fuß gehen lernen.“ Es sah zum Schreien komisch aus, wie dieser Hüne die kleine, kurzbeinige Hundedame bei fast 30° im Schatten mit Säuseleien dazu bewegen wollte, mit ihm bei Fuß zu gehen.

Er war tatsächlich ein Hundebesitzer, der wirklich Märchen mit seinem Hund quatschte – und bekam ebenfalls eine harte Ansage vom Hundetrainer, die nach wenigen Minuten eine entsprechende Wirkung zeigte.

In mir hallte dieser Nachmittag noch lange nach. Ich überdachte meine Einstellung zum „Nein-Sagen“ und zu Kommandos, die der Hund wirklich lernen musste, schließlich musste er in gefährlichen Situationen auch auf mich hören. Und viele Dinge mussten einfach trainiert werden, denn wir alle lernen durch üben, üben und noch einmal üben.

Warum ich das schreibe? Weil das Leben eine Geschichte ist. Life is a story“– oder ein Märchen. Nur nicht in Situationen, in denen man etwas über Grenzen lernen möchte – oder muss, um eine gewisse Ordnung zu erhalten. Dafür geben die Situationen, in denen die Ordnung aus den Fugen geraten ist, ja jede Menge Anlass darüber zu schreiben.

Was wäre also das Leben ohne die kleinen, alltäglichen Dramen und Lernmöglichkeiten? Langweilig wäre es, denn wir hätten uns nichts zu erzählen!

Begrüßen wir also unsere täglichen Herausforderungen und teilen Sie mit anderen, um unterhalten zu werden und etwas über das Leben zu lernen.

------- Gudrun Anders, Lebens- und Unternehmensberatung, Aachen ----
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Wenn Sie mehr über Storytelling erfahren möchten, lade ich Sie auf meinen Blog ein:
Life is a story! www.life-is-a-story.de


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